Es gibt nicht zu wenig Stellplätze, sondern zu viele Autos. Seit 1980 hat sich ihre Zahl in Deutschland mehr als verdoppelt auf heute 47,7 Millionen.1https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/bestand_node.html Allein seit dem Jahr 2000 sind über 9 Millionen Pkw hinzugekommen.2https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftszahlen_zum_Automobil/Deutschland#Bestand_an_Kraftfahrzeugen_nach_Fahrzeugklassen Und die brauchen Platz – nicht nur zum Fahren, sondern auch und vor allem zum Herumstehen.

Doch es gibt kein Grundrecht auf einen kostenlosen Parkplatz! Wer einen Zweit- oder Drittwagen, einen riesigen SUV oder ein Wohnmobil anschaffen will, muss sich vorher überlegen, wo er das Fahrzeug abstellt und ob er sich das leisten will. Sie haben nur einen Kleinwagen und finden dennoch keinen Parkplatz? Dann beschweren Sie sich bei Ihren übermotorisierten Nachbarn – aber parken Sie nicht den letzten Platz zu, der Fußgänger*innen noch geblieben ist: den Gehweg.

Das Argument setzt gleiche Ausgangsbedingungen für alle voraus. Davon kann jedoch keine Rede sein. Das Auto wird seit Jahrzehnten extrem bevorzugt. Es beansprucht einen immer größeren Teil des öffentlichen Raums und wird jährlich mit Milliardensummen subventioniert. Für den Kfz-Verkehr wurden und werden ganze Städte und Landschaften umgepflügt. Und warum müssen eigentlich Fußgänger*innen an der Ampel warten und nicht die Autos? Wer da Gleichbehandlung fordert, zementiert Ungleichheit! Oder was würden Sie sagen, wenn eine Obdachlose und ein Milliardär auf der Straße 100 Euro finden und der Milliardär generös vorschlägt, geschwisterlich zu teilen?

Die Flächen in der Stadt sind begrenzt. Wo gesunde und klimafreundliche Fortbewegung mehr Raum bekommen soll, muss das Auto Platz abgeben.

Zuerst einmal: Demokratie ist nicht die Herrschaft der Mehrheit! Auch die Rechte von Minderheiten müssen geschützt werden. Aber davon ganz abgesehen: Wussten Sie eigentlich, dass fast ein Drittel der Deutschen (31,5 %) keinen Führerschein hat?3https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172091/umfrage/besitz-eines-pkw-fuehrerscheins/ Das sind mehr als 26 Millionen Menschen. Und hätten Sie gedacht, dass mehr als jeder dritte Haushalt in Deutschland (34,5 %) überhaupt kein Auto besitzt?4https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172091/umfrage/besitz-eines-pkw-fuehrerscheins/ Angesichts dieser Größenverhältnisse ist es schon fast obszön, welches Maß an Platz, Geld und Ressourcen der Autoverkehr für sich allein beansprucht.